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Viel Text über die Zeit, eine Ein-Mann-Armee und die Reise von MK bis SSM.

Hallo, Leute.

Zu diesem Zeitpunkt fragen sich sicherlich einige von euch, was bei RosaArts eigentlich los ist. Mal kommen viele Threads und freudige Nachrichten und neue Akten oder Versionen sprießen scheinbar über Nacht aus dem Boden und dann… gibt es wieder eine lange Funkstille.

In diesem Post möchte ich euch ein wenig von dem erzählen, was hinter den Kulissen vor sich geht und warum sich manchmal einfach die Projekte ins schier endlose verzögern. Was es nicht geben wird ist ein Releasedatum oder einen Fortschrittsbericht. Denn beides gibt es momentan nicht.

RosaArts ist mehr oder weniger ein 1-Mann-Betrieb. Ja, für Betatesting habe ich sehr gute Leute, die mir ausgesprochen gut unter die Arme greifen und tatsächlich storytechnisch Mikoto ihre eigene Note aufdrücken konnten. Und ja, Fabian Horstfeld hat sich einst (kostenlos) dazu bereit erklärt mir einen OST zu komponieren (und dafür danke ich ihn bis in alle Ewigkeit). Und ja, ich habe jemanden, der mir mit den Scripten hilft, wenn mal was gar nicht funktioniert. Also eigentlich ist 1-Mann-Betrieb nur zur Hälfte war. Tatsache bleibt jedoch, dass ich praktisch alles andere mache. Die Grafik ist auf meinem Mist gewachsen (darum gibts auch keine eigenen Backgrounds… ich kann keine BGs zeichnen), sämtliche Texte sind von mir (von der einen oder anderen Szene, die Betaleser umtexteten abgesehen) und die digitale Umsetzung (die Action quasi) stammt ebenfalls von mir. Und wisst ihr was? Seit SSM Staffel 3 stammen sogar ein paar Scripte in Teilen von mir (mehr RGSS beherrsche ich dann aber auch nicht…)

Ich bin quasi das Mädchen für alles und eigentlich will ich das auch sein, denn nur so kann ich garantieren, dass Mikoto, Tantorlan und all die anderen Dinge, die ich schreibe und makere auch genau das werden, was ich haben will. Dieser Umstand erfordert aber eben auch eine Menge Zeit, die ich in den RPG Maker und in Photoshop bzw OpenOffice stecken muss.

Und genau hier ist der Knackpunkt. Kleine Geschichtsstunde:
Als ich als junger Spund (damals 17, das heißt, dass ich ganze DREIZEHN JAHRE schon makere!) an den RPG Maker kam, da war ich in der Ausbildung zum Mediengestalter in einer… hundsmiserablen Einrichtung. Wir hatten Aufträge, die in drei Tagen fertig waren… wir DURFTEN als Azubis aber erst nach zwei Wochen fertig sein. Also haben wir die restliche Zeit genutzt und… Emulatoren gezockt bzw Photoshop geöffnet und Grafiken gemalt. Diese viele Zeit haben wir die ganzen Custom CharSets (die aus einer Zeit VOR Mondlichts Kinder stammen) in sowohl Orange4s Moonlight Sun, als auch in meinem Alternate: Virus of Ragnarök zu verdanken. Hier gab es einfach eine Menge Zeit und am Ende entstand auch Mondlichts Kinder in dieser Zeitspanne.
Dann war ich eine längere Zeit in Kursen, arbeitslos oder Kurzarbeit. In dieser Zeit entstanden u.a. die Visual Novel Switch und Alternate. Zwischen Kursen und kleineren Arbeitseinlagen waren immer wieder Pausen. Ich arbeitete auch mal Schicht und hatte alle zwei Wochen drei Tage am Stück frei. Hier gab es wieder Zeit… in denen ich die Visual Novel kreieren konnte. Und wer damals schon Fan von ihnen war, der wird wissen, dass SFoS, sowie schließlich SSM Staffel 1 in Rekordzeit entstanden (ADFO brauchte länger, weil es zwischendurch neu aufgesetzt wurde, siehe Youtube-Lets Read von mir dazu).
Bevor ich meine Ausbildung als Optiker anfing begann ich SSM und AVoR zu kreieren. AVoR war eigentlich ungeplant und startete eigentlich nur als Versuch Orange4 zu zeigen, wie man Karten-Kampfsysteme auch ein wenig… anders aufziehen kann. Ähnlich, wie meine Kirby-Demo und Mondlichts Kinder als Tech-Demos für seine Projekte starteten.
SSM war dabei meine (vorausblickende!) Idee weiterhin Novel zu kreieren, wenn ich durch die Ausbildung weniger Zeit haben würde. Aber dann… war die Ausbildung zeitlich ein Witz, mit Internats-Schulblöcken, bei denen man ab 13 Uhr Feierabend hatte. Im übrigen der Grund, warum die Bücher zu Mikoto und Alternate fertig werden konnten und warum AVoR nicht noch immer bei Demo 1 vor sich hin dümpelt, sondern bei Vollversion 1.4…
Das ganze klappte prima und irgendwie auch noch ein bisschen, als ich ausgelernt hatte, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht alleine wohnte und die Filiale andere Arbeitszeiten hatte. Dann zog ich nach Ulm und obwohl die Arbeit WESENTLICH schöner ist, als zuvor, habe ich doch mehr ein Zeitproblem, als jemals zuvor.
Nicht nur, dass ich mich jetzt im Haus um ALLES selber kümmern muss und so niemals sagen kann, dass ich mal was von jemanden machen lasse, um ein wenig Zeit für den Maker zu finden… ich arbeite auch wieder in einer Art Schicht-System. Und diese Schichten haben alle ein spätes Ende und unterschiedliche Startzeiten, am Ende arbeite (und verdiene) ich jedoch mehr, als davor und falle oft spät Abends einfach nur ins Bett. Die ENERGIE um sich mit Makercodes, Koordinaten oder gar komplexen Systemen, wie in AVoR auseinanderzusetzen ist fast nie da, wenn man totmüde und geschafft von einer 8.45-19 Uhr-Schicht kommt. Und ja, ich weiß, dass andere Leute sogar noch länger arbeiten, aber von denen gucken die allermeisten Abends noch irgendeine Hirn-Abschalt-Sendung an und dann war es das. Von ihnen wird nicht erwartet, dass sie noch eine sinnvolle und gut klingende Geschichte schreiben oder gar Bugs in ellenlangen Code-Blöcken suchen.

Ja, ich nutze natürlich meine Ferien. So habe ich z.B. ein halbes Buch Ende 2016 geschrieben. Doch seitdem habe ich weder die Ruhe, noch die Energie gefunden die restlichen 250 Seiten aufzuschreiben. Tantorlan und Mikoto leiden darunter natürlich ebenfalls.

Einer meiner Tester schlug mir vor meinen „Betrieb“ zu vergrößern und Leute „einzustellen“. Das ganze, wie eine Art Doujin-Zirkel aufzubauen. Ich sollte die „Regie“ übernehmen und andere zeichneten Grafiken, komponierten Musik, setzten das ganze im RPG Maker um… solche Sachen halt. Nur… ich bin kein Fan davon. Nicht, weil ich glaube, dass dies nicht gelingen würde, sondern weil ich das nicht so aufziehen könnte, wie dies aufzuziehen wäre. Bei meiner momentan wenigen richtigen Zeit müsste ich dennoch das ganze koordinieren und als Optiker verdiene ich zwar mehr, als die meisten in meiner Branche (zumindest für einen Nicht-Meister und erst paar Jahre angestellt XD), aber nicht genug, um Leute für ihre Arbeit zu bezahlen. Und ich KANN und WERDE NICHT Leute anbetteln meine ganze Arbeit zu übernehmen. Ich bin jederzeit dankbar für Betaleser, denn je mehr man da hat, desto besser und am Ende bekommen die ja ihre heißerwartete Geschichte (und das sogar früher)… Aber mehr kann und will ich nicht von den Leuten erwarten. Zumal ich, wenn ich die Leute bezahlen würde, auch das Endprodukt anders anbieten müsste. Das heißt… verkaufen. Über Steam, Kickstarter, Switch oder sonstwas. Und dazu sollte es natürlich ein bisschen professioneller (also nicht unbedingt RPG Maker) aufgebaut sein. Zudem – und das spricht am meisten dagegen – müsste ich dann Mikoto entweder erneut rausbringen… mit einem Preis oder ich müsste eine komplett neue Serie beginnen. In beiden Fällen würden Fans von Mikoto in die Röhre gucken.

Und das geht einfach nicht.

Und so hoffe ich, dass ich irgendwann die Zeit, die Muse, die Lust und die Energie habe, um wieder mehr am RPG Maker zu machen. Denn eigentlich habe ich noch immer sehr viel Lust. Mein eigener Traum ist es zwar das Programmieren in einer echten Sprache zu erlernen und irgendwann eines meiner eigenen Spiele auf einer Konsole spielbar zu erleben (und wenn es über ne Repro bzw Flash-Cart wäre), doch noch viel wichtiger ist es für mich diese Geschichten, die ich schreibe, zu erzählen und dabei Leute zu finden, die sie mögen, darüber reden oder gar auf Nachfolger hoffen. So sehr ich sie auch für mich schreibe, am Ende sport ihr mich immer am meisten an, weiter zu arbeiten.

Staffel 3 habt ihr ja auch LostVoiceLP zu verdanken 😛

So, das war jetzt eine Menge Text, die man in ein paar Zeilen hätte zusammenfassen können: „Ich habe einfach momentan keine Energie und Zeit, dank veränderter privater Umstände“… Aber ich denke, dass es für euch vielleicht ganz interessant ist auch mal ein wenig hinter die Kulissen schauen zu können. Zumindest denkt Niemandsstimme das so. Hahahaha. Wenn ihr es doch uninteressant fandet… sorry.

Rosa Canina

P.S.
Unter dem Zeitmangel leidet bei mir alles. Ich habe inzwischen eine Menge noch eingeschweißter Spiele, die ich nicht einmal ausgepackt habe. Breath of the Wild ist das erste Spiel seit Mass Effect 3, dass ich wirklich gesuchtet habe. Hab aber kaum was gegessen in der Zeit… auch nicht so gut… 😦

P.S. 2

Man könnte ja (dumme Idee) ein paar alte Sachen releasen, die vermutlich nicht mehr anders kommen werden. Sachen, wie z.B. alle paar Tage neue Kapitel vom Switch-Remake… ohne Betalesung bzw Korrektur. Aber dennoch etwas, dass euch vielleicht gefällt?

Mit einem Hauch Mystik – Einblick in ein gecanceltes Projekt

Hallo, Freunde der guten Blogunterhaltung. Im Zuge meines Versuches wieder mehr und öfter aktiv zu sein und auf Grund der Tatsache, dass ich wegen meines Jobs unmöglich alle paar Tage tolle neue Fortschritte zeigen kann (oder will), habe ich beschlossen einige Artikelserien anzufangen, in denen es um verschiedene Projekte geht.

Angefangen mit einem Beitrag über ein bislang nicht gesehenes Visual Novel-Projekt, dass ich leider zu Grabe tragen musste – aber welches extrem viel Einfluss auf ALLE nachfolgenden Visual Novel-Projekte der Zukunft hatte und haben wird.

Heute geht es um MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Titlescreen
Das Titelbild des gecancelten Projekts „Mit einem Hauch Mystik“

Die Geschichte von MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Worum ging es denn in diesem Visual Novel mit dem interessanten Namen? Nun… dieser Novel war von Anfang an als eine Art Test gedacht. Zuerst einmal ein technischer Test (dazu später mehr), aber auch ein schreiberischer Test. Ich wollte mich an einem Krimi probieren und wählte dazu eine Episode in Yuki Yutakas Leben aus, von denen Leser aus Senken-Sha Mikoto / Die Geisterseherin bislang nicht erfahren hatten. In der letzten Visual Novel-Folge war nämlich mit Yuki Yutaka noch alles in Ordnung, aber in der nie veröffentlichten darauffolgenden Akte (welche nur schreiberisch bestand und nie umgesetzt wurde) und auch im Buch erfahren wir, dass Yuki Yutaka von Zuhause abgehauen ist. In „Mit einem Hauch Mystik“ erfährt man von Yukis Versuch ein neues Leben zu beginnen und sieht dort, dass er, sensibilisiert von Mikoto, plötzlich beginnt Geister zu sehen. Um genau zu sein: Einen ganz bestimmten Geist, welcher seit Jahren auf eine Senken-Sha wartet, um den eigenen Mord aufzuklären. Durch ein Schlupfloch in den Büchern der Herrin der Zeit verfrachtet sie Yuki Yutaka viele Jahre in die Vergangenheit zurück – zu einem Zeitpunkt, als sie gerade gestorben war. Yuki und der Spieler haben zu diesem Zeitpunkt 3 Tage Zeit den Mord aufzuklären. Und ja, man sollte hierbei scheitern können.

Geplant war hierbei ein wenig linearer Aufbau, der es dem Spieler ermöglichte die Zeugen zu jedem Zeitpunkt zu erfahrenen Dingen befragen zu können. Man hatte an jedem Tag eine gewisse Anzahl an Events zu bestimmten Uhrzeigen und je nachdem, was man die Leute fragte und was man von ihnen erfuhr, konnte man am Ende den Täter stellen oder eben nicht. Dies war auch ein Grund für die Cancelung des Projektes, da ein solcher Aufbau extrem aufwendig war und AVoR – zu diesem Zeitpunkt nur wenigen Monate von der Vollendung entfernt – Vorrang hatte.

Die Technik von MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Bild 2

Technisch bot bereits der erste Build des Spiels eine Menge Dinge, die es so in noch keinem anderen RosaArts-Novel gegeben hatte. Ein paar davon sind inzwischen sogar Standards für alle zukünftigen Projekte geworden. Der größte Pluspunkt war dabei die Möglichkeit das Spiel an jeder Textstelle speichern oder laden zu können. Diese Funktion doppelte sich mit einer Anti-Cheater-Funktion, da die Savegames eine Menge Fehler produzierten, sobald man etwas am Spiel veränderte. Dadurch starteten Szenen neu und Abfragen zu Schaltern konnten, wenn der Spieler nicht EXAKT GLEICH vorging das Spiel zum Hängen bringen. Wer jedoch nicht an den Dateien herumdoktorte, der hatte nichts zu befürchten. Eine Win-Win-Situation… hahaha.

Ein weiterer dicker Pluspunkt kam mit dem dazugehörigen Menü, dass ebenfalls jederzeit aufgerufen werden konnte und eine nette Sache bot, die konsequent ein Feature aus ALTERNATE: DER FALL OKAZAKI fortführte: Outfits. So war es möglich mit Yukis beschränkten Budget den Fall aufzuklären… oder Outfits zu kaufen. Wofür man mehr Geld ausgab, blieb dem Spieler überlassen. Diese gekauften Outfits (inklusive zwei Platzhaltern für DLCs!) trug Yuki dann für nahezu die gesamte Spielzeit, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen.

Die Grafik von MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Grafikfetischismus
Die grafische Optik von MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Optisch unterscheidete sich MIT EINEM HAUCH MYSTIK noch nicht allzu sehr von anderen vorrangegangenen Visual Noveln von RosaArts, führte die Optik jedoch konsequent fort. Ein paar Finessen bot diese Version jedoch.

Zum Einen führte der Novel die Optik von Senken-Sha Mikoto fort, verpasste jedoch bereits bekannten Charakteren Unmengen neuer und 100% selbst gezeichneter Outfits. Zum anderen waren Outfits nicht nur exklusiv für die Hauptcharaktere, in diesem Fall Yuki, sondern auch für alle Nebencharaktere. So trugen diese Personen immer das, was in jener Situation logisch wäre und wechselten ihre Klamotten auch von Tag zu Tag. Zudem hatte der Novel die gleiche Grundeinstellung, wie ReImagination. Beide Novelprojekte ZEIGTEN statt nur zu beschreiben. Grobes Beispiel: Wurde von einer Uhr geredet, so sah man ein kleines Bild, intern als Mini-CG bezeichnet, von dieser Uhr. Für den Leser bedeutete das, dass es mehr hübsche Grafiken gab. Für den Autor bedeutete es noch mehr Aufwand…

Die letzte Sache, die MIT EINEM HAUCH MYSTIK grafisch besser machte, war die Auflösung des Visual Novels. Pixeltechnisch vom RPG Maker selbst eingeschränkt, versuchte der Novel ein wesentlich besseres Format für die Nutzer des Fullscreen-Modus zu finden. So war der Novel nicht mehr 4:3 und dadurch bei einem Fullscreen die Verzerrung der Figuren nicht mehr so schlimm – und auch die schwarzen Balken waren so weit wie möglich reduziert.

Der Rest von MIT EINEM HAUCH MYSTIK

Hier gibt es nicht mehr viel zu sagen. Die tolle Musik war vorläufig aus ReImagination geklaut und wurde seinerzeits extra für ReImaginationen von Fabian Ofield komponiert, welcher inzwischen musikalisch erste echte Erfolge feiert, inklusive Single und Auftritten.

Gecancelt wurde es schließlich, weil dieser, eigentlich als Techniktest und Ablenkung von AVoR gedachte, Novel sich einfach als zu aufwendig und groß entpuppte. Für ein MIT EINEM HAUCH MYSTIK brauchte man mehr, als eine Person und guten Willen. Aber sein technisches Erbe lebt weiter – und vielleicht auch die bereits gezeichneten Charaktere.

Und wer den Visual Novel und dessen grafisch wirklich hübsches Prolog in Bewegung mal begutachten möchte, der kann das auf Youtube mit einer Art Prolog-Lets-Read gerne tun:

Over and Out, Rosa Canina