Shin Megami Tensei… Klassiker oder Grinding-Hölle?

Hallo Leute!
Heute gibts eine Art Retro-Review von mir, weil ich wenig Zeit für irgendwas habe, aber dafür brav jeden Tag eine Mittagspause und einen Retroid Pocket 2. Und mit dem im Gepäck habe ich mir eben überlegt, dass ich mal ein paar der alten Klassiker spielen könnte, für die ich einfach zuhause keine Zeit finde. Wie z.B. Super Nintendo-Spiele, ala… Shin Megami Tensei.

(ALLE SCREENSHOTS SIND AUS SPOILERGRÜNDEN AUS DEM ERSTEN VIERTEL DES SPIELS)

Seit dem Release von Persona 4 bin ich ein großer Fan der SMT-Serie und habe, wie durch ein Wunder, kurz nach dem Kauf von Persona 4 sehr viele der massiven SMT-Serie noch günstig ersteigern können. Wer sich mal informiert merkt schnell, dass so einige Titel doch recht teuer, wenn auch noch einigermaßen bezahlbar, geworden sind. Gespielt habe ich diese, egal ob Hauptserie ala SMT4 oder Ableger, wie Soul Hackers, jedoch nie wirklich. Naja, ein paar Stunden hier, ein paar Minuten dort und erst im letzten Jahr ein Durchgang durch Devil Survivor. Aber sonst bin ich nur an Persona 3, 4 und 5 hängen geblieben. Das wollte ich endlich mal ändern… zumal demnächst ja auch ein paar andere beliebte Teile der Serie zu neuem Leben erwachen… und startete kurzerhand SHIN MEGAMI TENSEI… auf dem Super Famicom.

SMT1… jetzt mit 100% Unterstützung zur Kalibrierung von CRT-Monitoren…

Leute, macht bitte nicht diesen Fehler!

Auch, wenn SMT 1 nicht wirklich der erste Teil der Serie ist – ATLUS veröffentlichte zuvor zwei Teile als „Megami Tensei“, so war dieses Spiel doch eine schwere Pille! Retro durch und durch, könnte man sagen und darum sicherlich den neueren Teilen bei Weitem unterlegen… Schlecht war es dabei aber nicht. Ganz im Gegenteil. SMT bot eine sehr interessante apokalyptische Geschichte mit zumindest einer wirklich überraschenden Wendung und einem interessanten Gut/Böse/Neutral-Pfad, bei dem es eigentlich gar kein Gut und Böse gibt. Ist nämlich alles irgendwie… ziemlich doof.

Das, meine Freunde, ist der erste Auftritt des CHAOS-Pfades. Also jenen Pfades, den man automatisch als „Böse“ bezeichnen würde… wenn er es wäre.

Der Schwierigkeitsgrad ist die meiste Zeit über auch vollkommen okay, die Autokampf-Funktion kann über große Teile des Spiels tatsächlich genutzt werden und die Pseudo-3D-Dungeons halten sich mit dämlichen Gimmicks ziemlich zurück, wodurch beim Erkunden durchaus Spaß aufkommen kann (lediglich der letzte, supermassive, Dungeon und sein „falle zufällig wieder zurück auf Ebene 1, wenn du Interesse an starken Items hast“ ist da RICHTIG nervig…). Tatsächlich mag ich das Spiel und bin dank ihm noch immer sehr interessiert zu sehen, wohin die Serie sich entwickelt hat. Aber sie hat es mir nicht einfach gemacht. In erster Linie fehlen SMT nämlich SÄMTLICHE nutzerfreundliche Design-Entscheidungen, die jemals in der Entwicklung von Rollenspielen getroffen wurden.

Überraschung! Ein paar dieser STATs sind für bestimmte Helden wirklich… unbrauchbar. Wäre schön, wenn man das vorher erfahren würde. Aber der Held lernt keine Magie. Und der gute Tyler hier… ist extrem schlecht darin. Auch LUCK ist außerhalb des Haupthelden fast sinnlos.

Wie gut sind die Waffen und Rüstungen, die ich gerade gefunden oder gekauft habe? Tja… da hilt wohl nur ausrüsten und dann die Stats vergleichen! Die Karte ist zudem etwas zu tief in den Menüs versteckt, hat praktische keine Informationen darauf (wo war der Heiler nochmal?) und dreht sich mit dem Spieler, was in diesem Fall ziemlich doof und verwirrend ist, da man sich ja nur in 90° Schritten bewegt. Die Speicherstellen sind zudem extrem selten, auch wenn man sich ab einem gewissen Punkt jederzeit aus dem Dungeon teleportieren kann. Immerhin. Aber dann fängt man ja auch wieder ganz unten an. Hab ich erwähnt, dass man ÜBERALL Gegner treffen kann, selbst in den „Städten“? Der Spieler bekommt quasi keine Pause von den Random-Fights. SMT ist damit eigentlich ein Grindfest von Anfang bis Ende.

Zugegeben, das Kampfsystem selbst kann, vor allem im Auto-Modus, schön schnell sein und ja, man darf das tatsächlich über weite Teile des Spiels verwenden.

Und OH BOY… Wer stehen bleibt und das Menü aufmacht um sich zu heilen aktiviert eine praktisch 100% Chance auf einen weiteren Kampf mit dem nächsten Schritt. Sprich… Heilen wird praktisch bestraft. Egal ob mit Magie oder Items. Apropos 100% Chance. Sehr viele der unzähligen Statuseffekte haben ähnlich hohe Chancen. Ein kleiner mikriger Gegner kann euch daher auch mal eben mit einem MUDO einfach so den Garaus machen. Vor allem wenn der Held stirbt, denn dann heißt es sofort… Game Over. Dazu kommen eben die kleineren Dinge. Fehlende Beschreibungen für die seltsamen Magienamen machen Anfängern das Leben schwer (sind für Veteranen aber egal). Der sehr limitierte Inventarplatz ist nervig, bis man merkt, dass Gegner genug Heil-Items droppen, so dass man nicht jedes davon horten muss. Und hey, immerhin heilen sich die Helden nach einem Level-Up (aber auch leider NUR sie. Dämonen können nicht aufleveln)! Und wo wir gerade bei Helden sind… das Spiel verrät einem nicht bei der anfänglichen Stat-Verteilung, dass der Held absolut keine Magie lernen wird – und MAG sowie INT damit nutzlos sind. Und vergessen wir nicht… manche Versionen des Englisch-Patches verhindern das Vorranschreiten des Spiels kurz vor Ende, also so circa 30h im Spiel. Also lieber Finger weg von der billigen englischen Repro-Cartridge…

Hier geht der Plot mal los und wir retten uns mal eben ein hübsches Mädchen.

Aber… und das will ich hier betonen. Da das Spiel nie in englisch wirklich erschienen ist (es gibt einen IOS Port einer GBA Version, welche nur auf alten IPADS läuft) spielt man es vermutlich eh über einen Emulator. Und dann… geht es eigentlich. Savestates hier und da können tatsächlich den meisten Frust des Spiels herausnehmen. Der gelegentliche Blick in einen Guide ebenso. Das Spiel schafft es die meiste Zeit über den Spieler zu sagen, was er bitte wo zu tun hat. Nur gelegentlich – oder in den wenigen größeren Dunkelräumen des Spiels ist das Internet ein wahrer Segen. Am Ende macht das Spiel eigentlich am meisten Spaß, wenn man ohne Hilfe durch einen der Dungeon streift, sich einen starken Dämonen zur Seite holt und dann den nächsten Boss mit dem Schockstatus in Grund und Boden kloppt ohne wirklich viel Schaden zu nehmen, nur um vor eine moralische Entscheidung getroffen zu werden, bei der man tatsächlich das Spiel pausiert und den ganzen restlichen Tag darüber nachdenkt, welche Entscheidung wohl die richtige wäre.

Wuhu, NUDE content. In einem Nintendo-Spiel! Das ich das noch erleben darf! Glücklicherweise traf ich in SMT1 nie auf MARA……..

SMT 1 war simpel. Etwas… zurückgeblieben in seiner Nutzerfreundlichkeit und ganz sicher nicht das schönste Spiel auf dem Super Nintendo. Öh… wobei. Die Sprites und Artworks haben schon einen gewissen Style. Die Grafik ist also eigentlich… gut. Nur es fehlt die Animation. Es sind Standbilder. Icons. Und nur hier und da mal im Kampf eine kleine Animation. Aber was SHIN MEGAMI TENSEI fehlte machte es locker mit seiner dunklen, apokalyptischen Athmosphäre und seiner Einzigartigkeit wieder wett. Ein Spiel, wie SMT (und seine anscheinend bereits deutlich besseren Nachfolger) gibt es auf dem Super Nintendo oder seinen Konkurrenten der damaligen Zeit gar nicht. Es ist ein Spiel aus einer Zeit, in der die hierzulande und in Amerika erschienenden RPGs oft nur 0815-Geschichten erzählten. Als man regelmäßig 4 Kristalle retten musste, weil der Oberdämon die Eltern des Helden getötet hat… und ähnliche Klischees das Bild bestimmten. Und in Anbetracht dieser Welt… sind Terranigma und Chrono Trigger noch immer um Welten besser. Aber SMT pflanzt sich hier eindeutig auf Platz 3.

Das fusionieren von Dämonen und die Ausrüstung der Helden sind der größte Unterschied zwischen „Das Spiel ist hart“ und „Das Spiel ist einfach“…

Man könnte es auch mit der RPG Maker Szene vergleichen. SMT ist wie… Mondlichts Kinder. Nicht perfekt, sondern mit vielen Ecken und Kanten. Aber es schimmert bereits ein Potential für ein großartiges Spiel durch und ja… man kann auch eingies an Spaß bereits damit haben. Auch wenn man besser die Nachfolger spielen sollte.

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