RC spielt… Ys – Ark of Napishtim (PS2)

Wenn Youtuber und Gamer über gute, klassische RPG-Serien mit einer langen Tradition sprechen, dann fallen eigentlich die immer gleichen Namen. Elder Scrolls für den Westen und Final Fantasy oder Dragon Quest für den asiatischen Raum. Dabei hat die YS-Serie allen Grund hier ebenfalls genannt zu werden, stammen ihre frühesten Ableger doch aus einer Zeit, in der auch Final Fantasy seinen Ursprung hatte. Und genau, wie dieses, sind diese alten Teile heute nur noch schwer zu empfehlen, weil sie einfach zu sehr überholt sind. Sicher, die Ys-Erstlinge mögen in jeder Hinsicht den ersten Teilen der Final Fantasy oder Dragon-Quest-Serie überlegen sein, dennoch sind sie frühe Rollenspiele ohne allzu viel… Tiefgang. Damals waren sie gut, aber die Zeit war eben nicht sonderlich nett zu ihnen und die Versuche die Serie am Laufen zu halten wurden… fragwürdig und endeten schließlich mit dem qualitativ fragwürdigen Ys 5 – Lost Kefin, Kingdom of Sand.

Dieser Titel markierte eine Pause, die in Japan ganze ACHT Jahre lang war. Eine Zeit, in der sich der Markt ganze zwei Konsolengenerationen lang entwickeln konnte – Vom Super Famicom zur Playstation 2. Wobei der sechste Teil eigentlich zuerst ein PC-Spiel war, bevor es 2005 auf die PS2 und sogar die PSP portiert wurde und die dato dormante Serie mit frischen Gameplayideen in eine glorreiche Zukunft führte. Es hat schon seinen Grund, warum Ys 6 – Ark of Napishtim als Beginn des modernen Ys-Worldbuilding angesehen wird und nachfolgend zu so vielen Remakes in einem ähnlichen Stil führte. Es stellt auch den ersten Teil dar, den wir Europäer von der Serie zu Gesicht bekamen.
Seit dem Release vor bald 15 Jahren ist das Spiel sogar auf Steam veröffentlicht wurden, dank der Arbeit von XSEED. Diese Version besitzt einige Vor- aber auch Nachteile gegenüber der Playstation 2-Variante und ist auch preislich – im Gegensatz zu Titeln, wie Oath in Felghana oder Origin, auch nicht zwingend notwendig, da man das Original noch immer recht günstig erwerben kann.

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Wir verbringen einige ruhige Momente mit dem Mädchen, dass uns gerettet hat.

Geschichte

In der Geschichte von praktisch allen Teilen der Ys-Serie – Origin ausgenommen – geht es um den Rotschopf Adol Christin, auch bekannt als Adol, der Rote. Ein Spitzname, den er auf Grund seines feuerroten Haares bekam, welches oftmals das Thema Nummer 1 bei der ersten Begegnung mit neuen Charakteren darstellt. Adol ist ein Abenteurer, der die Angewohnheit hat immer zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein. Und scheinbar sollte man mit ihm niemals auf ein Schiff steigen, wie u.a. Lacrimosa of Dhana, aber auch Ark of Napishtim zeigen. Adol und damit der Spieler stranden nach einer verunglückten Seereise an der Küste des Inselarchipels Canaan, dass von der Außenwelt durch eine natürliche Barriere, einen massiven Strudel, abgeschnitten ist. Glücklicherweise wird der bewusstlose Held aber von zwei jungen Mädchen aus dem Stamm der Redhaner gerettet, die auf der Insel heimisch sind. Nachdem er eine der beiden – entgegen aller Vorurteile der Redhaner – vor einem Monster gerettet und seinen Wert damit bewiesen hat, reist er zur einzigen Stadt der Menschen auf der Insel. Die dort lebendenden Personen, inklusive alter Gesichter sind alles Opfer von ähnlichen Schiffsunglücken und nicht unbedingt gut auf die einheimischen Redhaner zu sprechen. Nach kurzer Zeit beginnt sich dann der wahre Plot zu entfalten. Feenartige Wesen beschwören massive Monster, uralte Ruinen auf der Insel deuten auf ein lange verborgenes Geheimnis hin, Adols bester Freund Dogi muss, wie in allen Teilen der Ys-Reihe, eine Steinwand zertrümmern und der heilige Spiegel von Zemeth, der im Besitz der Redhanier war, wurde geklaut und zerbrochen. Außerdem muss neben diesen Dingen natürlich auch noch ein Weg gefunden werden, um von der Insel runter zu kommen – und damit den Strudel, den die Insel umgibt, zu umgehen.
Die Geschichte von Ark of Napishtim ist gut für ein Action-RPG, und kommt netterweise dem Gameplay selten in die Quere. Sequenzen sind kurz und knapp erzählt, die meiste Zeit über mit Textsequenzen, ab und an gibt es aber auch mal ein Video. Ob diese in Render- oder Animeoptik gehalten sind hängt vor allem von der Version ab. Die PS2-Edition macht sich zudem die Mühe das Spiel in Englisch zu synchronisieren und die Texte auf Deutsch zu übersetzen, während die PSP mit übersetzten Texten ohne Sprache und die Steam-Version mit einem rein englischen Release auskommen muss.
Ark of Napishtim ist storymäßig nach den ganzen neuen Teilen und Remakes der alten Teile angesiedelt, kann aber ohne Verständnis jederzeit gespielt werden. Ein paar Charaktere tauchen zwar aus alten Teilen hier auf, aber die Verbindung wird immer sofort erklärt.

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Wiederwärtige Monster erwarten uns an allen Enden der Spielwelt.

Gameplay

Geschichte hin oder her, nur wenige Spiele können von ihr alleine leben und Ys ist und bleibt ein Action-RPG und das änderte sich auch hier nicht. Mit Ys 6 sind wir endlich weg vom Hydlide-ähnlichen Bump-Gameplay, in dem man einfach in Gegner hineinlief und dabei hoffte, dass man sie traf. Ein damals gutes System, dass auf der PS2 überholt und antiquiert gewirkt hätte. Stattdessen springen und schnetzeln wir uns in einem Action-Kampfsystem durch die großen und kleinen Gegnerhorden. Ys 6 ist dabei ein Stück weit langsamer und weniger aufwendig im Spielsystem, als seine direkten Nachfolger, bietet aber schon die wichtigsten von deren Funktionen. Rasante Attacken und spezielle Kombinationen, wie Sprungangriffe lassen es schon fast eher, wie eine Art Terranigma auf Speed wirken, als wie eine Evolution des BUMP-Kampfstils der frühen Teile. Dazu kommen drei, im Laufe des Abenteuers durch ein simples System aufrüstbare Elementschwerter und ihre Zusatzkombos sowie magischen Angriffe, die man durch Tastendruck entfesseln kann. Das Gameplay von Ark of Napishtim ist simpel, schnell gelernt aber trotzdem super spaßig. Vor allem durch seine Schnelligkeit machen Kämpfe eigentlich immer Laune. Lediglich eine einzelne Fähigkeit im Spiel, das sogenannte Dash-Jumping, welches optional benötigt wird, um an einige der Schätze zu kommen, ist simpel und einfach misslungen. Obwohl die angebliche Tastenkombination im Spiel erklärt wird, scheint sie nicht zu funktionieren, bis man sich im Internet genau anschaut, wie sie EIGENTLICH gedacht ist – und selbst dann kann sie schwer auszuführen sein. Auch etwas verwirrend sei hier die Informationen über die magischen Angriffe genannt, die LANGE bevor man sie erhält bereits erklärt werden, was den Spieler durchaus verwirren kann, weil die erklärten Tastenkombinationen eben NICHTS bewirken.
Wenn wir uns nicht gerade durch massenweise Gegner schnetzeln oder uns über das verflixte Dash-Jumping aufregen, dann unterhalten wir uns mit NPCs, werten unsere Waffen mit Hilfe sammelbarer Emels auf oder kaufen neue Rüstungen und Accessoires. Klassische Rollenspielkost, mit dem addierten Bonus, dass man in der PS2-Version Rüstungen und Schilder am 3D-Modell von Adol sieht. Die anderen Versionenn, inklusive dem Steam-Release, verwenden hier einen simplen Chibi-Sprite, unabhängig von der Rüstung. Sicherlich eine Frage des Geschmacks, zumal die direkt danach releasten Teile OATH IN FELGHANA und ORIGIN ebenfalls Sprites den Vorzug geben.
Was den Schwierigkeitsgrad angeht, so sollte man hier etwas dazu sagen. Ys ist weder schwer noch einfach, es ist allerdings ein Titel, der einem öfter mal zum grinden zwingt. Ist man zu schwach oder fehlt das gewünschte Upgrade, dann stirbt man nicht nur schneller, als man gucken kann, man macht manchmal sogar einfach gar keinen Schaden mehr! Netterweise ist das System aber so gebaut, dass eine neue Rüstung, eine neue Waffe oder vielleicht 1 bis 2 weitere Level bereits ausreichen, um zuvor unbesiegbare Monster in Kanonenfutter zu verwandeln. Dadurch – und dank seines schnellen Gameplays – nervt das Grinden in Ys – Ark of Napishtim auch nur sehr selten. Nur ein einziges Mal, als das Item eines optionalen Bosses in der Mitte eines langen Höhlenkomplexes notwendig wurde, war dies wirklich nervig.
Ein anderer Negativpunkt am Spiel ist das elende Backtracking über die gesamte Insel. Vor allem der Weg zwischen den beiden Dörfern der Menschen und Redhaner wird einfach irgendwann nervig, zumal die Gegner sich in diesen frühen Gebieten spätestens beim dritten Durchlauf nicht mehr lohnen. Dies ist einer der Punkte, bei welcher der Steam-Release seine Nase vorn hat, da er ein Teleportationssystem ins Spiel selbst integrierte. Das System ist jedoch ein zweischneidiges Schwert, da es auch zu mehr Grinding führt, da mal schnell dabei ist neben den wirklich unnötigen Wegen vom Entwickler eingeplante und sich lohnende Routen zu überspringen.

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Auch die Romuner spielen im Lauf der Geschichte noch eine Rolle.

Technik

Was die Technik des Spiels angeht… nun, Ys 6 ist ein altes PS2-Spiel und sieht daher auch wie eines aus. Dungeons, Umgebungen und Charaktersprites sind niedrig aufgelöst und ihre Geometrie verglichen mit modernen Titels sehr simpel. Der Style selbst sorgt zwar ab und an mal für einen hübschen Effekt, doch selbst im besten Fall lockt das Spiel heutzutage grafisch niemanden hinter dem Ofen vor. Dafür ist der Style sauber, nicht überladen und man kann die meiste Zeit über immer genau sehen, was da gerade passiert oder wo man lang muss. Und das Spiel läuft selbst in der PAL-Version mit flüssigen 60 Frames Pro Sekunde! Während meiner Zeit mit dem Spiel habe ich auch nur ein einziges Mal einen Drop darunter bemerkt, in einem dunklen Unterwasserbezirk. Hier sei darauf hingewiesen, dass die PSP-Version im Idealfall nur mit 30fps läuft und unter sehr langen Ladezeiten leidet! Die Steamversion hat hier natürlich die Nase vorn und kann die Auflösung natürlich bis ins Unendliche hochdrehen und wer Steam selbst nicht mag, der bekommt das Spiel auch DRM-frei auf GOG. Dafür muss er mit einem Sprite statt nem 3D-Modell für Adol leben – und ohne Synchronisation, dafür läuft das Spiel vermutlich sogar auf einer Kartoffel flüssig.
Und etwas, was ich hier noch an der Technik selbst loben möchte ist die Tatsache, dass Ys – Ark of Napishtim wohl das erste Playstation 2-Spiel in meiner Sammlung ist, dass zum Überprüfen und Speichern auf die Memory Card nicht EWIG braucht. Ungewöhnlich. Wer erinnert sich noch an die ewigen Zugriffszeiten von damals?

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Die beiden Dörfer als Canaan könnte mal als zentrale HUB-Area bezeichnen.

Sound

Die Ys-Serie selbst ist seit jeher für ihren Soundtrack bekannt und auch, wenn Ys – Ark of Napishtim einiges musikalisch anders macht, reden wir hier immer noch von einem fantastischen Soundtrack. Die englischen Stimmen gehören dagegen eher in die Kategorie „Echt jetzt?“. Ein paar der Stimmen sind okay, ein paar andere sind fragwürdig. Sie erreichen kein Resident Evil-Niveau der Lachhaftigkeit und ich ziehe diese Stimmen immer noch gar keinen Stimmen vor, aber man sollte hier dennoch seine Erwartungen etwas dämpfen.

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Metroidvania-ähnlich benötigt man ab und an bestimmte Items um mehr Gebiete 
der Welt erkunden zu dürfen.

Extras

Und was da noch die freischaltbaren und optionalen Extras angeht… die PS2-Version kommt mit einer Anzahl kleiner Minidungeons und Kämpfen, die sogenannten Alma-Prüfungen, welche im Laufe der Geschichte optional die Gelegenheit bieten können mehr ERF, Emels oder Gold zu bekommen, sowie einfach etwas mehr Spiel ermöglichen. Zudem lässt sich durch klassisches Durchspielen der Nightmare-Schwierigkeitsgrad, sowie ein TimeAttack für Bosskämpfe freischalten. Und auch diese können Bonusbilder freischalten, wenn man sie miteinander erfolgreich kombiniert. Außerdem gibt es noch ein Cheat-System, dass ich gewissentlich übergangen habe, aber neben spielbrechenden Cheats auch welche bietet, die vollkommen in Ordnung sind. So kann man sich im PAL-Release die Videos aus dem Spiel erneut anschauen, sowie das Anime-Intro der japanischen Version. In den USA sind sogar einige weitere Filmchen enthalten und die PC-Version ermöglicht wohl sogar die Aktivierung der PS2-Stimmen, aber immer noch ohne deutschen Bildschirmtext. Warum DAS allerdings ein Cheatcode und keine normale Option ist, wird wohl niemand so wirklich wissen.

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Auch diesen hübschen Ort sehen wir im Laufe des Abenteuers mehrfach.

Fazit

Die Ys-Serie ist leider keine Serie, in die man einfach so einsteigen kann, da viele Teile inzwischen doch recht teuer, selten oder nur per Fanübersetzung spielbar sind. Sie ist jedoch dennoch einen Blick wert und neben dem noch hier und da kaufbaren und absolut fantastischen Lacrimosa of Dhana stellt Ark of Napishtim die einfachste und definitiv auch günstigste Methode für den Einstieg in die Serie dar. Mit Preisen irgendwo zwischen 20 und 30 Euro ist es auch wirklich nicht teuer. Selbst, wenn man hinterher keinen der anderen Teile mehr kaufen wird, erhält man so immerhin ein schnelles, spaßiges Action-RPG, dessen Gameplay alleine, so simpel es eigentlich auch sein mag, Anreiz genug ist, es alle paar Jahre mal wieder zu spielen.

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