Warum es einem PC-Spieler schwer fällt sich noch für seinen PC zu interessieren

Das hier ist vermutlich ein etwas anderer Blogpost, als ihr vielleicht von mir erwartet, da dieser Blog selten Offtopic war, aber dieses Mal muss ich eine Ausnahme machen. Naja, man kann es schon mehr als langen RANT bezeichnen. Aber das muss mal raus.

Und keine Angst… das Buch ist noch in Produktion und ihr werdet den Release hoffentlich bald erfahren.

[vorneweg: Jeder PC ist anders und bestimmte Titel laufen auf bestimmten Hardwarekonfigurationen eher oder vielleicht eben auch nicht. Denkt daran, bevor ihr postet, dass XYZ nicht so ist, wie von mir beschrieben!]

Moderne Gaming-PCs haben das Potential genial zu sein verschenkt… (Aus den Augen eines PC-Spielers)

Meine Wenigkeit schimpft sich eigentlich einen PC-Spieler. Und das seit Beginn meiner Gaming-Leidenschaft (die inzwischen ein wenig mehr Sammelleidenschaft wurde, aus Zeitmangel). Meine ersten echten Games waren Boulder Dash und ein Winterolympiade-Spiel für den Commodore 64, einen Heimcomputer. Ja, ich bekam anschließend einen NES und einen GameBoy, aber darauf durften wir als Kinder nur selten spielen. Viel mehr prägte da uns der PC unseres Vaters. Disneys’s Tarzan, Road Rash, Re-Volt, Master of Orion 2, X-Com Interceptor und Star Wars Episode 1 Racer waren die Spiele meiner Kindheit.

Und ja, ich spielte als Kind X-Com Interceptor und Master of Orion 2. Und das auch noch recht gut. Ich bin noch heute darüber erstaunt.

Bis zur Ära Wii war der PC meine Gaming-Plattform. Ich kaufte PC-Zeitschriften und interessierte mich nahezu ausschließlich für den PC, mit einer einzigen Ausnahme: Dem GameCube. Während der Wii- und frühen XBox360-Ära wurde ich dann mal kurzzeitig dem PC untreu, kehrte aber nach dem Fehlkauf des schlechtesten TV aller Zeiten (1 Sekunde Inputlag, wenn mehr als der VGA-Anschluss benutzt wurde) schnell wieder zu meiner Lieblingsplattform zurück.

Auch Steam, Origin und Co tat ich mir an, obwohl ich eigentlich seit jeher meine Spiele lieber physisch besitze, was zum einen auf die Sammelleidenschaft, zum anderen auf die Tatsache, dass ich es LIEBE alte Spiele zu spielen, zurückzuführen ist.

Mit dem Release von Dragon Age Inquisition endete schließlich meine PC-Leidenschaft sehr abrupt. Ich hatte einen besseren Fernseher, eine Menge Retro-Konsolen (für die ich nun Klassiker zu sammeln und zu spielen hatte) und viele meiner alten Favoriten liefen auf dem PC ja eh nicht mehr. Über die letzten paar Jahre war mein PC mehr Youtube-Player als Gaming-Plattform, wobei ich dennoch gut zwei Dutzend Spiele für den PC in meiner Sammlung habe, die ich als „Modern“ bezeichne (d.h. sie erschienen in den letzten paar Jahren).

Vor einigen Wochen hatte ich schließlich genug von der schlechten Abwärtskompatibilität des modernen PCs und ich stellte mir für den Preis eines einzelnen Vollpreisspiels einen Windows 98-Retro PC zusammen, der knapp 100 Spiele von späten MS DOS bis hin zu frühen DirectX9-Spielen abzuspielen vermag (für mich bedeutet das 60fps, aber nicht unbedingt immer in der allerhöchsten Auflösung).

Während ich also all diese 100 Spiele installierte führte ich eine schöne Exceltabelle, in der ich eintrug, wie und unter welchen Bedingungen welches Spiel auf dem PC lief. Mein Ziel war es irgendwann mal jedes meiner Spiele auf irgendeinem Medium spielbar zu haben (ich besitze einen Retro PC, eine Arcade Maschine (welche ein PC ist), einen Laptop und meinen modernen PC). Und siehe da… bis auf Theme Park für DOS (läuft zu schnell) und Forsaken (läuft nur in Software) läuft praktisch jedes Spiel. Und nur die wenigsten benötigen dazu einen Patch (*** u, Need for Speed 4, dass nicht mehr läuft, sobald ich Need for Speed 5 installiere!).

Daraufhin kam ich auf die grandiose Idee diese Liste auf ALLEN MEINEN SYSTEMEN zu führen und jedes Spiel ÜBERALL zu installieren und zu prüfen. Dazu startete ich mit meinem modernen PC… und erst einmal mit den modernen 24 Spielen, die ALLE problemlos auf diesem PC gespielt wurden in den letzten paar Jahren. [Modern für mich: Das Spiel lief bereits in den letzten Jahren mal auf diesem PC und ist MINDESTENS DX10, eher aufwärts. Quasi die späte XBox360-Ära bis heute, für die Konsoleros]

Und jetzt kommt das, worauf ich hier raus will:

Von den 24 modernen Spielen laufen 4 Spiele perfekt und ohne irgendwelches Trara.

VIER STÜCK!

10 weitere Spiele starten nicht einmal mehr, weil sie entweder aus irgendeinem Grund durch ein Update von Windows/Grafikkarte nicht mehr unterstützt werden oder weil ihre Aktivierungsserver down sind.

Die restlichen zehn Spiele laufen nur, solange Steam, Origin und Co gute Miene zu „bösen physischen“ Spiel noch machen. Und genau das werden sie, befürchte ich, nicht mehr lange, da unter den nicht mehr lauffähigen Spielen gut die Hälfte Steam/Origin/Uplay-Spiele sind. Viele von euch haben ja bereits gesehen, dass im Laden oft nur noch leere Downloadhüllen stehen, vor allem für EA-Spiele. Nun, von EA habe ich massenweise Retro-Games in den letzten Wochen gekauftt, aber **** u, EA. Nahezu keines der modernen Titel, die ich von EUCH habe, funktioniert noch! Wozu braucht ihr einen Online-Aktivierungsserver, wenn ich den DVD/CD-Code eingegeben UND das Spiel seit Release auf Origin aktiviert ist? Und warum besteht ihr darauf ein perfekt funktionierendes Dragon Age Origins (nicht ganz modern, aber egal) KAPUTT zu patchen? Ja, Origin hat ohne mein Wissen oder meine Zustimmung meine absolut perfekt laufende Installation von Original-DVD durch die bei ihnen aktivierte Downloadversion ersetzt (Leicht zu sehen: Die Verknüpfungen führten ins Leere, weil der Aufbau der Ordner etwas anders ist). Das Tolle daran: Die angeblichen Patches und Verbesserungen und DLCs dieser Version hatten nur eine einzige Auswirkung: Das Spiel läuft seitdem nicht mehr auf meinem PC.

Danke, Electronic Arts. Ihr seid nicht die einzigen, aber das beste Beispiel an diesem Punkt.

[Einschub: Mein „moderner PC“ ist ein AMD Phenom II X6 1100T mit 3,3 Ghz (6 Kerne) mit 16 GB RAM und einer NVIDIA GTX980. Heutzutage nicht mehr Nonplusultra, denn es wurde beim Release von Dragon Age Inquisition gebaut und spielt z.B. Witcher 3 in Max Settings flüssig ab. Nur als Vergleich, was ich hier als „modern“ bezeichne]

Dem PC-Gaming wird seit Jahrzehnten nachgesagt, dass es stirbt. Und in meinen Augen tat es das an jenem Tag, als ich versuchte diese 24 Spiele zu installieren. In der Zwischenzeit bin ich nahezu alle meine Spiele durch und von gut 200 PC-Spielen in meiner Sammlung (dem größten Teil meiner 750 Spiele umfassenden Sammlung) laufen fast genau 30 Stück. Zieht man all die Retro-Games ab, mit der Begründung „Ist doch klar, dass ein 15 Jahre altes Spiel nicht mehr läuft!“, dann sieht es noch trauriger aus. Wie oben genannt… 4 Spiele laufen noch.

Verdammte vier Spiele…

Es laufen mehr Windows 98 Spiele auf diesem PC, als moderne Titel!

Es laufen mehr Win XP-Only-Titel auf meinem Win98-PC.

Und nur, um es ganz klar zu stellen: Ich rede hierbei nicht von „60fps Max Setting“-Laufen. Ich rede davon, ob das Spiel überhaupt noch startet!

Mit dem Heranbrechen des „Physisch gibts nicht mehr“-Zeitalters, in denen man Spiele nur noch „ausleihen“, statt wirklich kaufen kann, welches selbst bei Konsolen langsam Einzug erhält, stirbt etwas, dass viele heutzutage unterschätzen… Wiederspielbarkeit und die Nostalgie, die man erlebt, wenn man das Spiel seiner Kindheit nach Jahren noch einmal erleben darf. Die heutige Zeit hangelt sich von AAA-Titel zu AAA-Titel, ohne sich darum zu scheren, ob all die Arbeit der Entwickler kurze Zeit später für immer verloren geht. Bereits jetzt hat die Zeit so wirklich tolle Spiele für immer verschlungen. Wer heutzutage Scott Pilgrim oder P.T. spielen will, der muss sehr viel Glück haben und das Spiel von damals noch auf der Platte haben (Konsolenbeispiel btw). Und so, wie diese zwei Titel verschwinden, wird, wenn der Digital-Craze anhält, bald jedes Spiel verschwinden.

Der PC hat eigentlich das Potential die tollste Plattform der Welt zu sein, mit der allergeilsten Abwärtskompatibilität aller Zeiten. Und das war er auch mal. Vor nicht allzu langer Zeit. Aber dieses Funktion verliert er mehr und mehr. Und ironischerweise ist die einzige Rettung im Moment die von Entwicklern so gehasste Hacker-Szene, die auch mir ein paar „abgeschaltete“ bzw „nicht mehr aktivierbare“ Titel wieder freischalteten.

Und dann frage ich mich, ob es nicht vielleicht sogar gut ist, dass die Spiele heutzutage alle gecrackt werden. Wenn man für das Spiel bezahlt hat und die Entwicklerfirma den Support eines Aktivierungsservers einstellt, es per Patch „kaputt“ macht oder anderweitig „deaktiviert“ sehe zumindestens ich kein Problem damit.

Ganz nebenbei möchte ich hier mal positiv Crystal Dynamics erwähnen, deren Spiele, mit Ausnahme des ersten Soul Reaver auf bislang ALLEM liefen.

Legacy of Kain Defiance und Tomb Raider – Legend laufen, wider Erwarten, von Win98 bis Win10 64 Bit… immer in 60fps.

Danke, Crystal Dynamics. Dafür, dass ihr eure Spiele so baut, dass sie einfach laufen, statt nur besorgt darum zu sein, wie ihr dem Spieler ein paar Wochen später von eurem Spiel zum nächsten bekommt.

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